Die Inflation hat einen neuen Höchststand erreicht. Während sie in Deutschland derzeit bei 7,9 Prozent liegt, erreicht sie in der gesamten Eurozone sogar 8,1 Prozent. Um die sogenannte Teuerungsrate und die daraus resultierenden Preissteigerungen abzuschwächen, hat EZB-Chefin Christine Lagarde eine Erhöhung des Leitzinses angekündigt. Dieser liegt seit März 2016 bei 0 Prozent und wurde um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Weitere Erhöhungen sind für den September geplant. Sollte sich die Inflation dadurch nicht bremsen lassen, können zusätzliche und stärkere Zinserhöhungen darüber hinaus folgen. Die Leitzinsanhebung werden auch Kreditnehmer zu spüren bekommen, da die steigenden Kreditzinsen direkt an sie weitergegeben werden. Das betrifft neben Dispo- und Konsumentenkrediten ebenfalls Immobilienkredite. Wie sich die Anpassung des Leitzinssatzes auf die Baufinanzierung auswirkt und wie sich Kreditnehmer jetzt mit einem Forward-Darlehen gegen höheren Kosten schützen können, lesen Sie hier:

Wie wirkt sich die Erhöhung des Leitzinses auf Baufinanzierungen aus?

Beim Leitzins handelt es sich um den von der Europäischen Zentralbank (EZB) festgelegten Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei den Zentral- oder Notenbanken Geld leihen können. Insgesamt gibt es sogar drei Leitzinssätze. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist mit dem Leitzins oder EZB-Leitzins der Hauptrefinanzierungssatz gemeint. Die beiden anderen Zinssätze sind der Einlagezinssatz und der Spitzenrefinanzierungssatz. Mit einer Anhebung des Leitzinses kann die EZB direkt auf eine Inflation reagieren, um das Preisniveau und den Geldwert innerhalb des Währungsraums zu stabilisieren. Das hat letztlich Auswirkungen auf die Zinserträge von Spareinlagen sowie die Zinsrate bei Krediten. Bereits vor der Ankündigung der EZB, den Leitzins anzuheben, waren die Bauzinsen enorm angestiegen.

Wie sich die Bauzinsen vor dem Hintergrund der Leitzinserhöhung mittel- und langfristig entwickeln, bleibt abzuwarten. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass der Leitzinssatz nur mittelbare Auswirkungen auf Immobilienkredite hat. Denn die Banken leihen sich das Geld in der Regel nicht direkt bei der EZB, sondern von einem Anleger, wie zum Beispiel Fondsgesellschaften oder Versicherungen, an den sie Pfandbriefe herausgeben. Den Pfandbriefzins geben die Banken wiederum an die Kunden weiter und berechnen einen Zuschlag, um wirtschaftlichen Gewinn zu erzielen. Mit der Anhebung des EZB-Leitzinses steigt der Zinssatz und die Rendite für Staatsanleihen, die stärker nachgefragt werden. Damit klettern ebenfalls die Zinsen für Pfandbriefe und somit auch die Bauzinsen weiter nach oben.

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Steigende Bauzinsen mit einem Forward-Darlehen abfedern

Durch die steigenden Zinsen bei Baufinanzierungen sehen sich Kreditnehmer unter anderem mit höheren monatlichen Tilgungsraten konfrontiert. Das bekommen vor allem Immobilienkäufer zu spüren, die derzeit einen Kredit für ein Haus oder eine Wohnung aufnehmen möchten. Angenommen, sie planen eine Kreditsumme von 320.000 Euro aufzunehmen, mit einer jährlichen Tilgungsrate von zunächst 2,0 Prozent und einer Zinsbindung von 10 Jahren. Liegen die Bauzinsen bei 2,5 Prozent, beträgt die monatliche Tilgungsrate 1.200 Euro. Steigen die Zinsen lediglich um 0,5 Prozentpunkte auf 3,0 Prozent, erhöht sich die Monatsrate bereits auf 1.333 Euro, damit die Restschuld nach einer Laufzeit von 10 Jahren in etwa gleichbleibt und nicht drastisch teurer ausfällt. Die Leitzinserhöhung betrifft aber nicht nur die Neufinanzierung von Immobilien, sondern ebenfalls Kreditverträge, die kurz vor Auslauf der aktuellen Zinsbindung stehen. Denn in der Regel haben nur die wenigsten Immobilienbesitzer ihr Haus bereits vollständig bezahlt, bevor die vertraglich festgelegte Zinsbindung ausgelaufen ist. Um die Restschuld zu begleichen, kommt eine Anschlussfinanzierung infrage. Allerdings fällt diese in Zeiten höherer Bauzinsen oft deutlich teurer aus als bei Abschluss des ursprünglichen Kreditvertrags, wie das Rechenbeispiel deutlich macht. Aufgrund der Anhebung des Leitzinses, die sich ebenfalls auf Baufinanzierungen auswirkt, ist künftig weiter mit steigenden Bauzinsen zu rechnen.

Quelle: KVB Finanzdienstleistungsgesellschaft mbH (sw)

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